Weihnachtsgeschenke kaufen ist gar nicht so leicht

Es ist zwar schon sehr lange her (2001), dass der unten stehende Artikel geschrieben wurde, aber noch heute können wir darüber herzlich lachen. Damals liebten unsere Mädels diese Mäuse heiß und innig und Martin wollte ihnen eine zu Weihnachten schenken. Wer nun glaubt, das sich dies als recht einfache Sache gestaltet irrt und wer Martin kennt, der weiß, dass aus solchen Begegnungen wunderbare Geschichten entstehen. Nunja und das möchte ich niemanden vorenthalten. Viel Spass beim Lesen! Aber bitte bedenkt Eines – Nicht einfach kopieren, besser vorher fragen ;-)

Die Diddl-Maus

Ich war in sämtlichen größeren Kaufhäusern von Hannover. Bei Karstadt gibt es eine
riesige Auswahl von Plüschtieren. Die meisten sogar recht niedlich. Auch Mäuse gab es
reichlich. In rosa und in gelb und wer hätte es gedacht – einige wenige Exemplare sogar
in mausgrau. Die sehen sogar recht natürlich aus. Von der Größe mal abgesehen. Das
was die dort als Mäuse so anbieten, sind meines Erachtens alles Ratten. Von völlig
normalen Ratten, etwa in der Größe einer stinknormalen Wanderratte, über Superratten,
Megaratten, bis hin zu einem erstaunlichen Exemplar einer absoluten Gigaratte. Sie misst
von Nasenspitze bis zum Schwanzende ca 80 cm. Die Preise dieser „Mäuse“ differieren
je nach Größe und Hersteller zwischen 6.95 EUR 149.90 EUR und , wobei die
Piercingmäuse im Verhältnis am teuersten sind, nämlich die, die einen Knopf im Ohr
haben.
Nun gut, das muss wohl so sein, denn fragt man einen Landwirt, warum seine Kühe
einen Knopf im Ohr tragen, dann erfährt man, dass das nicht dazu da sei, dass sie auf
den Bullen einen besonderen Reiz ausüben, sondern schlicht und einfach, um ihre edle
Herkunft nachzuweisen (Herdbuchtiere!).
Verstehen kann ich das dennoch nicht. Zwar weiss ich, dass es einer enormen
züchterischen Anstrengung bedarf, hervorragende Zuchttiere zu selektieren, um
Hochleistungsrinder zu züchten und das diese Arbeit mit einem entsprechend höheren
Preis zu honorieren ist. Das man diese Tiere dann kennzeichnet, z.B mit einem Knopf im
Ohr, damit jeder die edle Herkunft sehen kann, das ist nur verständlich. Vergleicht man
jedoch den Preis für eine ausgewachsene Kuh mit Knopf im Ohr, mit einem von Größe
und Gewicht dagegen lächerlichen Stofftierchen, dann ist das Stofftier jedenfalls, sofern
es natürlich einen Knopf im Ohr hat, auf jeden Fall im Verhältnis viel wertvoller. Und das,
obwohl es nicht einmal Milch gibt, sondern bestenfalls verstaubt! Nun begreife ich
jedenfalls, woran die Landwirtschaft leidet. Kämen doch nur wenige Bauern auf die
Idee, ihre Kühe selbst zu nähen oder gar zu stricken, so ginge es der Landwirtschaft
schon viel besser und auch das BSE-Problem hätte man im Griff.

Aber zurück zur Maus. Es gibt sie natürlich gar nicht! Ich meine jetzt die Diddl-Maus. In
der ganzen Spielwarenabteilung nicht! Keine einzige! Nicht einmal eine ganz kleine!

Also auf in das nächste Kaufhaus und schließlich ins Übernächste. Das Ergebnis ist
dramatisch! Mit hängendem Kopf schließt man sich einer Reihe ratloser Familienväter
an, die von Schwermut geplagt und ohne jegliche Weihnachtsstimmung die Stadt
durchkämmen. Jeder doch irgendwie darauf erpicht, irgendwo in dieser großen Stadt ein
Exemplar einer Diddl-Maus zu erstehen, ja notfalls gar zu erlegen, um dann doch
wenigstens das Wildbret voller Stolz nach Hause zu tragen.

Einige Male habe ich noch schnell eine Abkürzung genommen, bin durch die
Häuserzeilen gehuscht, um nicht gar zu weit am Ende der Schlange zu stehen. Aber
alles half nichts! Nach dem ich mir ein neues Paar Schuhe zugelegt hatte, nicht weil ich
damit schneller wäre, sondern weil ich das alte Paar heute durchgelaufen hatte, musste
ich annehmen, dass die Diddl-Maus in Hannover ausgestorben war, vermutlich steht sie
auch schon länger auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten, denn fast jedes Kind,
dem man in der Stadt begegnet, zerrt ein mehr oder weniger schmutziges Etwas hinter
sich her, dass einer Maus nicht unähnlich ist.

Zugegeben, hier und da versucht man den Kindern einen Handel vorzuschlagen:
„Tausche deine alte Diddl gegen völlig neue Maus! Sogar in mausgrau! Notfalls auch
mit Knopf im Ohr!“ Aber keiner will tauschen! Wahrscheinlich liegt es einfach an der
Farbe. Mausgrau werden die schließlich irgendwann einmal von selbst! Und der Knopf
im Ohr? Die Jugend weiß eben heute gar nicht mehr die eigentlichen Werte zu
schätzen!

Schließlich habe ich mir ein Schild um den Hals gehängt: „Suche Diddl – zahle jeden
Preis!“
Erst jetzt erkannte eine Frau in einem Spielwarengeschäft meine große Not. Sie war sich
offenbar bewusst, welches Unheil mir drohte, wenn ich mit so einer Maus nach Hause
käme. Offensichtlich hatte sie wohl selbst Kinder und war sich klar darüber, was mir
widerfahren würde, wenn anstelle einer echten Diddl-Maus irgendein anderes Wesen
den Gabentisch verunstaltete. Sie gab mir den entscheidenden Hinweis: „Das ist ein
Schreibwarenartikel!“

Logisch! Wie konnte ich nur annehmen, dass jemand ohne seine Diddl-Maus auch nur
ein einziges Wort schreiben könnte!
Also machte ich mich frohen Mutes auf zum nächsten Schreibwarenladen. „Diddl-Artikel
führen wir nicht! Die sind zu teuer, so etwas geht bei uns nicht!“ Im zweiten
Schreibwarenladen war ich dann endlich fündig. Lauter Diddl-Mäuse. Kleine, ganz
kleine, sogar winzige Diddl-Mäuschen. „Große Diddl-Mäuse? Nein, die führen wir nicht.“
Enttäuscht verlies ich auch dieses Geschäft. Im nächsten Laden bekam ich den
Hinweis, dass man die im Lebensmittelmarkt, nur zwei Strassen weiter führe. „Die haben
sogar eine Diddl-Abteilung!“
Klar, Lebensmittel, wo sonst kann man Mäuse finden. Hätte ich mir doch gleich denken
können!
Im Lebensmittelmarkt fand ich dann heraus, dass man keine Diddl-Mäuse mehr führt.
Diddl ist out – Pokemon ist in!

In einer Kleinstadt, weit ab von Hannover, in einem kleinen Schreibwarenladen (also
eben doch Schreibwaren! Habe ich mir ja gleich gedacht!) gab es Diddl-Mäuse. Bis
hierher hatte sich Pokemon wohl noch nicht herumgesprochen. Kleine, mittlere, ja sogar
große Diddl-Mäuse.
Zuerst war ich etwas irritiert über ihr Aussehen. Nun gut, weiße Mäuse soll es ja geben.
Aber diese Viecher haben ein selten dämliches Gesicht und völlig überdimensionale
Füße. Zugegeben mit etwas Phantasie könnte man erahnen, dass der Hersteller dieser
überdimensionalen Kreaturen vielleicht wirklich im Sinne hatte, so etwas wie eine Maus
zusammen zu basteln. War aber gründlich misslungen.
Dann war ich etwas irritiert über den Preis. Der absolute Wahnsinn! Für diesen
misslungenen der Darstellung einer Maus (nicht einmal mit meiner Computermaus haben
die Ähnlichkeit), einen solchen Preis zu zahlen und dann noch ohne Knopf im Ohr? Aber
was sein muss, muss sein. Nach zähen Verhandlungen habe ich endlich gleich ein Paar
dieser Giga-Diddl-Mäuse erstanden.
Vielleicht verdiene ich mein Geld in Zukunft mit der Diddl-Mauszucht. Hoffentlich
vermehren die sich schneller, als Pokemon auf die Dörfer kommt!

Zu guter Letzt habe ich denn auch noch eines dieser hübschen kleinen blauen
Höschen erstanden. Für meine Computermaus. Wenn die Diddl’s schon ein Höschen
anhaben, dann soll sie schließlich nicht nackt und bloß herumliegen, so wie sie Logitech
erschaffen hat.

© Martin Dieck


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