Ginkgos veredeln

Vermehrung von Ginkgo biloba

Aussaat:
Die Vermehrung durch Aussaat ist verhältnismäßig einfach. Die Samen werden im Herbst gesammelt, wenn sie natürlicherweise von den Bäumen fallen. Der fleischige Arillus sollte entfernt werden, da die Inhaltsstoffe keimhemmend wirken. Die Samen werden anschließend stratifiziert. Dabei findet man unter Praktikern immer wieder unterschiedliche Angaben über die Stratifikation. Während teilweise von 2-4 Monaten berichtet wird, meinen Andere es seien 18 Monate erforderlich.
Wie bereits beschrieben, erfolgt die Bestäubung im Zeitraum April – Mai. In der weiblichen Samenanlage reift dann der Pollen über einen Zeitraum von ca. 4 Monaten heran, bis sich die männlichen Spermatozoiden bilden, die schließlich die weibliche Eizelle befruchten. Weibliche Blüten des Ginkgo biloba bilden auch ohne Befruchtung Samen aus. Daher sollte man bei der Ernte darauf achten, dass die Saat nicht von isolierten weiblichen Pflanzen geerntet wird (Krüssmann, G.: Die Baumschule). Da die Befruchtung der Eizelle erst im August bis September erfolgt, ist der Embryo zum Zeitpunkt der Samenreife noch nicht voll entwickelt. Um den Embryo heranwachsen zu lassen,
sollten die Samen nach der Ernte warm
(bei ca. 16-20°C) und feucht gelagert
werden.
Nach etwa 2-3 Monaten (Schütt, P et al.) sollte der
Embryo herangewachsen sein. Außerdem wird die
harte Schale des Samen in der warmen Phase abge –
baut bzw. wasserdurchlässig.
Nach dieser Phase setzt eine Keimruhe ein, die in
der Natur verhindert, dass der Sämling in der
Winterzeit aufläuft.
Verschiedene Autoren berichten, dass Ginkgo biloba
eine Kaltstratifikation bei ca. 0-5°C über einen
Zeitraum von mehreren Monaten benötigt.

Bei einer Warm-kalt-Stratifikation sollten die Samen zuverlässig im nächsten Frühjahr keimen. Die Keimrate ist sehr unterschiedlich und liegt zwischen 40% und 95%. Schütt et al. berichten, dass den nicht keimenden Samen in der Regel der Embryo fehlt. Das kann darauf hindeuten, dass es sich hierbei um unbefruchtete Samen handelt, oder aber durch fehlende Ausreife der Embryo nicht entwickelt ist.
Die Aussaat kann in Schalen oder direkt in kleine Töpfe erfolgen. Auf jeden Fall sollte man die Samen vor Mäusen schützen!
Die Sämlinge werden unter guten klimatischen Bedingungen im ersten Jahr etwa 15 cm hoch. Im zweiten Jahr erreichen sie gut 30 cm und mehr.

Veredlung:
Die Sorten der Ginkgos müssen vegetativ vermehrt werden. Dabei ist die erfolgreichste Methode sicherlich die Veredlung.

 

 Wir veredeln die Sorten Ende Februar auf 2-3jährige Sämlingspflanzen. Je nach Stärke der Reiser bevorzugen wir das Kopulieren oder das Seitliche Anplatten. Die Veredlungen werden sorgfältig verbunden und verstrichen und anschließend unter gespannter Luft gehalten, bis sie durchtreiben. Auf Wurzelware zu veredeln, die anschließend eingetopft werden, führte bei uns zu erheblichen Ausfällen. Als günstigste Veredlungszeit geben Hartmann und Kester im ihrem Buch ‚Plant Propagation’ die Zeit von Januar bis März an.

Für die Sommerveredlung sollen die Monate August und September am günstigsten sein. In den USA werden Ginkgo-Sorten auch im August okuliert (Krüssmann, G.: Die Baumschule). Auch Reiserveredlungen sollen im Sommer unter gespannter Luft gute Ergebnisse liefern.  

Wir haben bei Sorten mit knappem Vermehrungsmaterial auch versucht, die Sorten im Winter durch Chip-budding zu veredeln. Bei dieser Methode blieben aber viele Augen stecken und entwickelten im ersten Sommer nur einen Kurztrieb. Erst im zweiten Frühjahr trieben diese Pflanzen dann mit einem Langtrieb durch. Da man im Winter nicht erkennen kann, aus welcher Knospe später ein Langtrieb hervorgeht, haben wir diese Methode wieder aufgegeben und veredeln jetzt alles durch Okulation mit 3 bis 6 Knospen.

Stecklinge:
Steckholzvermehrung von juvenilen Pflanzen ist gut möglich. Krüssmann berichtet, dass dies in Japan eine übliche Methode sein soll. Im Februar 2003 und 2004 habe ich dies selbst ausprobiert. Als Steckhölzer verwendete ich die Triebstücke der Unterlagen, die beim Veredeln abfielen. Die Steckhölzer wurden mit 2% Indolylbuttersäure behandelt und sofort in Handkisten gesteckt. Das Anwachsergebnis war nahezu zu 100 %. Allerdings machten im ersten Sommer nur die Hälfte der Steckhölzer Wurzeln. Die nicht bewurzelten trieben aus, überwinterten auch gut und bewurzelten im Frühjahr des Folgejahres. Die aus Steckholz vermehrten Pflanzen erreichten aber erst im 3. Standjahr eine Höhe von 15 cm und waren kaum dick genug, um wiederum als Veredlungsunterlagen zu dienen.

 

 

 

 

 

Wie die Bilder zeigen machen sogar Steckhölzer Wurzeln, die nur im Wasser stehen. Aber auch hier ist der Zuwachs zu Anfang sehr gering.
Für die Sorten kommt sie sowieso kaum in Betracht, da nicht genug Spitzentriebe vorhanden sind.
Stecklingsvermehrung im Sommer ist nach verschiedenen Autoren ebenfalls gut möglich. Bereits in den 80er Jahren habe ich dies ausprobiert. Stecklinge von jungen Ginkgos Ende Juli bis Anfang August gesteckt bewurzelten zu etwa 80 %. Die Stecklinge habe ich damals mit 2% IBS behandelt und im Frühbeetkasten gesteckt.

Krüssmann berichtet sogar von 100%igem Erfolg, wenn die Triebe ausreichend reif sind. Stecklinge aus kurzen Seitentrieben, deren weiche Spitzen entfernt wurden, sollen nach Krüssmann am Besten wachsen. Allerdings wachsen die Seitentriebe oft nur langsam. Dies bestätigen auch eigene Erfahrungen.
Hartmann und Kester berichten, dass man Sommerstecklinge im Frühsommer unter Sprühnebel bewurzeln kann. Die Stecklinge sollten dann mit 8% IBS behandelt werden.
Stecklinge von Langtrieben aus der Stammverlängerung wären insbesondere für die schlank wachsenden Sorten vorteilhaft, da sie zu Beginn nicht plagiotrop wachsen und sich sortentypischer entwickeln müssten. Hierzu liegen uns aber bislang keine Erfahrungen vor. Auch dürfte bei dieser Methode hinderlich sein, dass geeignete Triebe nur in geringer Anzahl je Mutterpflanze zur Verfügung stehen.
Ähnlich wie bei den Steckhölzern wachsen die Jungpflanzen aber in den ersten Jahren nur spärlich. Daher scheint die Veredlung die bessere Möglichkeit zu sein.

Für die nächsten Jahren haben wir weitere Versuche zur Stecklingsvermehrung geplant. Insbesondere wird es interessant sein, zu beobachten, wie sich die zahlreichen Hexenbesen auf eigener Wurzel verhalten.

Text@Martin Dieck/Bilder@Heidi Dieck – Auszug aus unserem Ginkgobuch


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