Rubrik ‘Allgemein’

Magnolia Fairy®- blühende Hecke?

26. Februar 2014

Aufgrund der häufigen Anfragen in den letzten Tagen möchte ich an dieser Stelle meine Meinung zu dieser Magnolien-Hybride darstellen.

Es handelt sich um eine Kreuzung aus Magnolia doltsopa x yunnanensis x figo. Diese Züchtung stammt aus Neuseeland von dem Magnolienzüchter Marc Jury. Es gibt derzeit zwei Sorten im Handel, Magnolia Fairy® Blush (rosablühend) und Magnolia Fairy® Cream (weißblühend), die unter den Sortennamen ´MicJUR01´ und ´MicJUR02´ eingetragen sind (PBR=Plant Breeders Right).

Die Eltern dieser Doppel-Hybride stammen aus dem Nepal (M. doltsopa, Winterhärtezone 9-11), aus der Provinz Yunnan im südlichen China (M. yunnanensis oder syn. M. laevifolia, Winterhärtezone 8-10) und ebenfalls aus dem Süden Chinas stammt die Magnolia figo (Winterhärtezone 8-11). Die Hybride Magnolia Fairy® wird angegeben mit einer Winterhärte in Zone 7b-11. Alle Eltern waren früher der Gattung Michelia zugeordnet, die ausschließlich in den Subtropen und Tropen Südostasiens beheimatet sind. Seit einigen Jahren wird diese Gattung den Magnolien zugeordnet.

Michelia_figoZweifelsfrei eine wunderschöne Heckenpflanze für ihr Wochenendhaus in Kalifornien oder in Louisiana. Aber auch für ihre Finca im Mittelmeergebiet sollte diese Hybride geeignet sein. Bei uns in Deutschland dürfte sie aber nur in ganz milden Gegenden winterhart sein. Möglicherweise in windgeschützten Lagen in der Kölner Bucht kann man es draußen versuchen. Die Temperaturen sollten im Winter nicht unter -15°C fallen. Als Heckenpflanze sollte man sie in Deutschland aber keinesfalls empfehlen. Viele Gartenfreunde haben vor einigen Jahren in den kalten, windreichen Wintern ihre Kirschlorbeerhecken eingebüßt, die in weiten Teilen Deutschlands bis zum Boden herunter gefroren waren. Die Fairy® Magnolias dürften aber empfindlicher sein als unsere großblättrigen Kirschlorbeersorten, die über viele Jahre als winterhart verkauft wurden.

Dennoch hat die Pflanze ihre Reize. Seit vielen Jahren halte ich bei uns eine Magnolia figo. Ich entdeckte die Pflanze im Gartencenter Seebauer in München und war hocherfreut eine solche Rarität erstehen zu können. Magnolia figo findet man häufig in den Gärten in Kalifornien, wo sie Bananashrub genannt wird. Die kleinen cremefarbenen Blüten verströmen einen intensiven Duft nach reifen Bananen, so dass man den Strauch meist zuerst am Duft erkennt, bevor man überhaupt die kleinen Blüten entdeckt. In der Schweiz entdeckte ich eine rot blühende Sorte von Magnolia figo in der Baumschule Eisenhut. Ich berichtete von dem herrlichen Bananenduft meiner Pflanze und wollte wissen, ob die rote ebenso intensiv duftet. Herr Eisenhut war erstaunt über den Bananenduft und meinte: „Wir haben die schweizer Variante – die duftet nach Schoki!“ In der Tat! Magnolia laevifolia habe ich aus England mitgebracht. Herrliche weiße Blüten in großer Zahl duften intensiv nach Zitronen.

Alle oben beschrieben Magnolien sind immergrün mit kleinen meist dunkelgrünen Blättern. Sie sind dicht belaubt und gut schnittverträglich. Geschnitten wird nach der Blüte, damit die Pflanzen an den neuen Trieben wieder Blütenknospen bilden können für das nächste Frühjahr. Die Pflanzen bilden runde Büsche mit einem Durchmesser und einer Höhe von 2-3 m. Bei guter Pflege bilden sie zahlreiche Blütenknospen, die sich im zeitigen Frühjahr je nach Art im März bis Mai öffnen. OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Blüten sind viel kleiner als die unserer bekannten Magnolienarten und haben einen Durchmesser von nur 2-3 cm (M. figo) bis 5-6 cm (M. laevifolia und Fairy® Magnolia) verströmen aber einen herrlichen, meist intensiven Duft.

 

Fazit: Als Heckenpflanze dürfte die Magnolia Fairy® ebenso wie ihre Eltern in unseren Breiten ungeeignet sein. Aber als Kübelpflanzen für Balkon und Terasse haben alle oben beschriebenen Arten und Sorten einen hohen Wert, wenn man sie geschützt überwintern kann. Zwar sind die oben genannten Arten bis etwa -12°C bis -15°C winterhart, die Wurzeln sind aber viel empfindlicher. Daher empfehle ich eine helle, frostfreie Überwinterung bei Temperaturen um 0° bis 5°C.

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Lady in the bath

16. Mai 2013

Die Überschrift mag manchen vielleicht ein wenig verwundern. Was haben Pflanzen damit zu tun?
Nun ja, es geht hier um eine Staude, die zur Zeit gerade blüht, eine Staude, die in fast jedem Garten zu finden ist und zu der es eine kleine,  feine Geschichte gibt.
Es geht um Dicentra ….. Tränendes Herz. Wussten Sie, was Dicentra und Lady in the bath miteinander verbindet?

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Oben eine typische Dicentra. Nehmen sie eine Blüte und drehen sie um.

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Ziehen Sie jetzt vorsichtig die beiden roten Blättchen auseinander …..

und es erscheint die Lady im Bad – Lady in the bath …. so wie die Engländer liebevoll Dicentras nennen.

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Vor allem Kinder (aber auch Erwachsene) kann man damit immer wieder verblüffen ;-)

 

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Gesucht: Interessent für eine Gärtnerlehre

14. Februar 2013

WIR SUCHEN EINEN INTERESSENTEN FÜR EINE GÄRTNERLEHRE – mit der Möglichkeit zur anschließenden Festeinstellung im

Freilichtmuseum Schwerin-Mueß.
Das 7 ha große Freilichtmuseum liegt vor den Toren der Stadt, direkt am Südufer des Schweriner Sees.
Hier ist ein Dorf mit vielen Bauernhäusern, einer Schmiede und einer alten Dorfschule erhalten geblieben.
Heute wird ein Teil des Dorfes den Besuchern Schwerins als Freilichtmuseum präsentiert.
Zu den vielen Gebäuden gehören in einem Dorf natürlich Gärten, Wiesen, viele Obstbäume und Hecken.
Selbst Tiere wie Hühner, Enten und Gänse sowie Bienen und Schafe sind hier zu finden.
Das alles will in Schuss gehalten werden und dabei brauchen wir Hilfe.
Ab September 2013 besteht die Möglichkeit, eine Gärtnerlehre bei der Stadt Schwerin zu beginnen, um sich auf die ständige Arbeit
im Freilichtmuseum vorzubereiten. Die Bewerbungsfrist läuft Ende Februar aus.
Nähere Informationen zur Ausbildung erhalten Sie bei der
SDS (Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen der Stadt Schwerin):
Herr Gräfner: 0385- 644 3559/ Mail: ulf.graefner@sds-schwerin.de
und beim Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß
Herr Janke: 0385- 2084125/ Mail: vjanke@schwerin.de, www.schwerin.de/freilichtmuseum

„Wenn ich wüsste, …

17. Dezember 2012

dass morgen die Welt unterginge – dann pflanzte ich heute einen Apfelbaum.“ Diesen Satz schreibt man Martin Luther zu.

 

Apfelbaum

Am 21. Dezember 2012 endet der Mayakalender. Viele Menschen sehen darin Zeichen für einen Weltuntergang. Sicherlich wird dies nicht so sein, denn für die Maya endet am 21. Dezember 2012 lediglich ein bedeutender Zeitabschnitt und im gleichen Jahr treffen in unserem Sonnensystem mehrere astronomische Vorgänge zusammen. Die Sonne zieht  zur Wintersonnenwende mit dem Zentrum der Milchstraße gleich, was nur alle 25800 Jahre einmal passiert und eben genau am 21.12.2012 wieder passieren wird… und es gibt noch mehr, auf das ich hier nicht eingehen möchte.

Das Zitat von Martin Luther haben wir uns angenommen und wollen ein kleines Zeichen setzen für eine schöne Zukunft mit jeder Menge Hoffnung und Glauben. Wir werden gemeinsam mit Vertretern der hiesigen Kirche, mit Gemeinderatsmitgliedern, dem Samtgemeindebürgermeister, der Zeitung und dem NDR einen Apfelbaum auf unserem Gelände pflanzen.

Passend dazu, für einen neuen Anfang, einen neuen Tag, einen neuen Beginn das Lied von XAVAS  „Schau nicht mehr zurück“

Wer dabei sein möchte ist herzlich zu uns eingeladen! Donnerstag, 20.12.2012 um 15.00 Uhr in der Baumschule im Arboretum.

Neuer Online-Shop

10. Dezember 2012

In  den nächsten Monaten werden wir unseren alten Shop komplett runderneuern. Dadurch kann es in den ersten Monaten des neuen Jahres zu Verzögerungen bei den Bestellungen kommen. Der neue und der alte Shop werden auch für eine gewisse Zeit parallel laufen.

Für eine kurze Zeit wird der Shop auch geschlossen bleiben müssen. Den genauen Termin geben wir noch bekannt. Bestellungen können dann aber trotzdem aufgegeben werden, allerdings nur per Mail, in Ausnahmefällen auch per Telefon.

Tagung der Jungen Dendrologen

30. November 2012

Jedes Jahr veranstalten die Jungen Dendrologen ein Winterseminar. Für das Jahr 2013 wurden wir mit der Organisation beauftragt. Herausgekommen sind, so hoffen wir, ein paar sehr interessante und spannende Vorträge zum Thema Gehölze.

Tagungspunkte sind unter anderem:

  • Besuch des Berggartens Hannover mit Fr.Dr.Segert
  • Besuch des ZiNeg Hauses Hannover
  • Besuch des Arboretums Weidner (Dr.Weidner)
  • Vorträge zu den Themen Steinhuder Meer (Dipl. Biologe W.Nülle), Kleine Ginkgos für Hausgärten(M.Dieck), Baumschnitt/Baumgesundheit/Baumpflege (Baumgutachter C.Venzke), Bienennährgehölze (B. Jaesch)
  • Gehölze erkennen an Knospen und Zweigen
  • Bücherbörse
  • Pflanzentausch
  • Besichtigung  Herrenkamper Gärten
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Die Tagung, an der übrigens, entgegen des Namens auch ältere Interessierte Mitglieder und Nichtmitglieder teilnehmen können, findet vom 31.01. bis 03.02.2013 statt. Tagungsort ist die Jugendherberge Mardorf am Steinhuder Meer.

Kosten, Unterkunft: Entsprechend der Zielgruppe haben wir uns wieder bemüht, die Kosten gering zu halten. Die Tagungsgebühr beträgt für Mitglieder 45 €, für Nichtmitglieder 65 €. Darin enthalten sind Kaffee und Ge-tränke, die Busfahrten, das Eintrittgeld in den Berggarten sowie die Beiträge für Referenten.

Unsere Tagungsunterkunft ist die Jugendherberge Mardorf, Warteweg 2, 31535 Neustadt am Rübenberge, Tel. 05036-457, Fax 05036-1554. Daher wäre es auch wünschenswert, dort zu übernachten, insbesondere auch, weil wir dort Räume für Vorträge und anregende Gespräche zur Verfügung haben. Für die Übernachtung stehen gut ausgestattete Zimmer zur Verfügung. Bettwäsche wird gestellt, Handtücher und Waschzeug sind mitzubringen. Kosten der 3 Übernachtungen inkl. Verpflegung (Lunchpaket Freitag, Mittagessen Samstag) 105.- Euro (Abrechnung nur über die DDG möglich, deshalb bitte den Betrag auch mit überweisen!).

Anmeldung: Nur mit Angabe des vollständigen Vor- und Zunamen, sowie der vollständigen aktuellen Adresse bis spätestens zum 15.12.2012 unter Einzahlung des Tagungsbeitrages mit dem Vermerk „Winterseminar 2013 DDG“ bei der Geschäftsstelle der DDG (Dr. Mirko Liesebach, Hugo-Schilling-Weg 5, 22926 Ahrensburg); Bankverbindung: Postbank Frankfurt/Main, Kto.-Nr. 111 905 600 (BLZ 500 100 60). IBAN und BIC siehe Umschlagdeckel. Wir bitten um eine möglichst frühe Anmeldung.

Ganz wichtig: Die Anmeldung und Abrechnung der Übernachtungen in der Jugendherberge kann nur über die DDG-Geschäftsstelle erfolgen.

Für die Bestimmungsübungen wäre es wünschenswert, wenn jeder Teilnehmer eine 10fach vergrößernde Lupe sowie eventuell vorhandene Bestim-mungsbücher mitbringen könnte. Um wieder eine interessante  Pflanzen-tauschbörse abhalten zu können, sollten alle Interessierten eventuell überschüssige Pflanzen aus der eigenen Vermehrung mitbringen und den anderen Teilnehmern kostenlos anbieten. Des weiteren wird wieder eine Bücher-börse abgehalten, bei der überzählige oder nicht mehr benötigte Bücher getauscht oder preiswert verkauft bzw. gekauft werden können.

Weitere Fragen und Auskünfte bei: Heidi Dieck, Herrenkamp 1, 27254 Siedenburg, Tel.: 04272-963163, Email: info@herrenkampergaerten.de; Eike Jablonski, Kapellenstr. 8, 54675 Kruchten, Tel.0406-7586160, E-mail  eike.jablonski@education.lu, oder bei dem Geschäftsführer der DDG, Dr. Mirko Liesebach, ddg-web@web.de .

 

 

Ginkgos veredeln

11. März 2012

Vermehrung von Ginkgo biloba

Aussaat:
Die Vermehrung durch Aussaat ist verhältnismäßig einfach. Die Samen werden im Herbst gesammelt, wenn sie natürlicherweise von den Bäumen fallen. Der fleischige Arillus sollte entfernt werden, da die Inhaltsstoffe keimhemmend wirken. Die Samen werden anschließend stratifiziert. Dabei findet man unter Praktikern immer wieder unterschiedliche Angaben über die Stratifikation. Während teilweise von 2-4 Monaten berichtet wird, meinen Andere es seien 18 Monate erforderlich.
Wie bereits beschrieben, erfolgt die Bestäubung im Zeitraum April – Mai. In der weiblichen Samenanlage reift dann der Pollen über einen Zeitraum von ca. 4 Monaten heran, bis sich die männlichen Spermatozoiden bilden, die schließlich die weibliche Eizelle befruchten. Weibliche Blüten des Ginkgo biloba bilden auch ohne Befruchtung Samen aus. Daher sollte man bei der Ernte darauf achten, dass die Saat nicht von isolierten weiblichen Pflanzen geerntet wird (Krüssmann, G.: Die Baumschule). Da die Befruchtung der Eizelle erst im August bis September erfolgt, ist der Embryo zum Zeitpunkt der Samenreife noch nicht voll entwickelt. Um den Embryo heranwachsen zu lassen,
sollten die Samen nach der Ernte warm
(bei ca. 16-20°C) und feucht gelagert
werden.
Nach etwa 2-3 Monaten (Schütt, P et al.) sollte der
Embryo herangewachsen sein. Außerdem wird die
harte Schale des Samen in der warmen Phase abge –
baut bzw. wasserdurchlässig.
Nach dieser Phase setzt eine Keimruhe ein, die in
der Natur verhindert, dass der Sämling in der
Winterzeit aufläuft.
Verschiedene Autoren berichten, dass Ginkgo biloba
eine Kaltstratifikation bei ca. 0-5°C über einen
Zeitraum von mehreren Monaten benötigt.

Bei einer Warm-kalt-Stratifikation sollten die Samen zuverlässig im nächsten Frühjahr keimen. Die Keimrate ist sehr unterschiedlich und liegt zwischen 40% und 95%. Schütt et al. berichten, dass den nicht keimenden Samen in der Regel der Embryo fehlt. Das kann darauf hindeuten, dass es sich hierbei um unbefruchtete Samen handelt, oder aber durch fehlende Ausreife der Embryo nicht entwickelt ist.
Die Aussaat kann in Schalen oder direkt in kleine Töpfe erfolgen. Auf jeden Fall sollte man die Samen vor Mäusen schützen!
Die Sämlinge werden unter guten klimatischen Bedingungen im ersten Jahr etwa 15 cm hoch. Im zweiten Jahr erreichen sie gut 30 cm und mehr.

Veredlung:
Die Sorten der Ginkgos müssen vegetativ vermehrt werden. Dabei ist die erfolgreichste Methode sicherlich die Veredlung.

 

 Wir veredeln die Sorten Ende Februar auf 2-3jährige Sämlingspflanzen. Je nach Stärke der Reiser bevorzugen wir das Kopulieren oder das Seitliche Anplatten. Die Veredlungen werden sorgfältig verbunden und verstrichen und anschließend unter gespannter Luft gehalten, bis sie durchtreiben. Auf Wurzelware zu veredeln, die anschließend eingetopft werden, führte bei uns zu erheblichen Ausfällen. Als günstigste Veredlungszeit geben Hartmann und Kester im ihrem Buch ‚Plant Propagation’ die Zeit von Januar bis März an.

Für die Sommerveredlung sollen die Monate August und September am günstigsten sein. In den USA werden Ginkgo-Sorten auch im August okuliert (Krüssmann, G.: Die Baumschule). Auch Reiserveredlungen sollen im Sommer unter gespannter Luft gute Ergebnisse liefern.  

Wir haben bei Sorten mit knappem Vermehrungsmaterial auch versucht, die Sorten im Winter durch Chip-budding zu veredeln. Bei dieser Methode blieben aber viele Augen stecken und entwickelten im ersten Sommer nur einen Kurztrieb. Erst im zweiten Frühjahr trieben diese Pflanzen dann mit einem Langtrieb durch. Da man im Winter nicht erkennen kann, aus welcher Knospe später ein Langtrieb hervorgeht, haben wir diese Methode wieder aufgegeben und veredeln jetzt alles durch Okulation mit 3 bis 6 Knospen.

Stecklinge:
Steckholzvermehrung von juvenilen Pflanzen ist gut möglich. Krüssmann berichtet, dass dies in Japan eine übliche Methode sein soll. Im Februar 2003 und 2004 habe ich dies selbst ausprobiert. Als Steckhölzer verwendete ich die Triebstücke der Unterlagen, die beim Veredeln abfielen. Die Steckhölzer wurden mit 2% Indolylbuttersäure behandelt und sofort in Handkisten gesteckt. Das Anwachsergebnis war nahezu zu 100 %. Allerdings machten im ersten Sommer nur die Hälfte der Steckhölzer Wurzeln. Die nicht bewurzelten trieben aus, überwinterten auch gut und bewurzelten im Frühjahr des Folgejahres. Die aus Steckholz vermehrten Pflanzen erreichten aber erst im 3. Standjahr eine Höhe von 15 cm und waren kaum dick genug, um wiederum als Veredlungsunterlagen zu dienen.

 

 

 

 

 

Wie die Bilder zeigen machen sogar Steckhölzer Wurzeln, die nur im Wasser stehen. Aber auch hier ist der Zuwachs zu Anfang sehr gering.
Für die Sorten kommt sie sowieso kaum in Betracht, da nicht genug Spitzentriebe vorhanden sind.
Stecklingsvermehrung im Sommer ist nach verschiedenen Autoren ebenfalls gut möglich. Bereits in den 80er Jahren habe ich dies ausprobiert. Stecklinge von jungen Ginkgos Ende Juli bis Anfang August gesteckt bewurzelten zu etwa 80 %. Die Stecklinge habe ich damals mit 2% IBS behandelt und im Frühbeetkasten gesteckt.

Krüssmann berichtet sogar von 100%igem Erfolg, wenn die Triebe ausreichend reif sind. Stecklinge aus kurzen Seitentrieben, deren weiche Spitzen entfernt wurden, sollen nach Krüssmann am Besten wachsen. Allerdings wachsen die Seitentriebe oft nur langsam. Dies bestätigen auch eigene Erfahrungen.
Hartmann und Kester berichten, dass man Sommerstecklinge im Frühsommer unter Sprühnebel bewurzeln kann. Die Stecklinge sollten dann mit 8% IBS behandelt werden.
Stecklinge von Langtrieben aus der Stammverlängerung wären insbesondere für die schlank wachsenden Sorten vorteilhaft, da sie zu Beginn nicht plagiotrop wachsen und sich sortentypischer entwickeln müssten. Hierzu liegen uns aber bislang keine Erfahrungen vor. Auch dürfte bei dieser Methode hinderlich sein, dass geeignete Triebe nur in geringer Anzahl je Mutterpflanze zur Verfügung stehen.
Ähnlich wie bei den Steckhölzern wachsen die Jungpflanzen aber in den ersten Jahren nur spärlich. Daher scheint die Veredlung die bessere Möglichkeit zu sein.

Für die nächsten Jahren haben wir weitere Versuche zur Stecklingsvermehrung geplant. Insbesondere wird es interessant sein, zu beobachten, wie sich die zahlreichen Hexenbesen auf eigener Wurzel verhalten.

Text@Martin Dieck/Bilder@Heidi Dieck – Auszug aus unserem Ginkgobuch